Wir über uns
  Aktuelles
  Termine
  History
  Anfahrt
  Faustball
  Ringreiten
  Gymnastik
  Bilder
  Sponsoren
  Links
  Kontakt
  Impressum
  Startseite
Unsere Telefonnummer

Ringreiten
 

Im gesamten norddeutschen Raum war das Ringreiterfest ein wichtiger Bestandteil im kulturellen Bereich des dörflichen Lebens. Dieser faire Wettkampf zu Pferde hatte, wie die Gilden und Schützenvereine, seinen Ursprung im Mittelalter und der beginnenden Neuzeit. Bürgerwehren und die Reiterwettkämpfe dienten zum einen der Wehrertüchtigung, zum anderen war dieses bunte Treiben auf der Wettkampfwiese gleichzeitig ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Die Zweikämpfe der mit stumpfen Lanzen bewaffneten Reiter waren zwar unblutig, jedoch war es keinesfalls ungefährlich, in vollem Galopp unsanft aus dem Sattel gehoben und in den Sand gestoßen zu werden. Sehr bald wurden diese Zweikämpfe in Einzeldisziplinen umgewandelt. Zuerst spießten die Reiter im schnellen Vorbeireiten mit ihren scharfen Lanzen Strohpuppen auf. Später wurden im galoppierenden Vorbeiritt bunte, auf Drehgestellen montierte unterleibslose Holzpuppen durch Lanzenstoß gegen eine Hand der ausgebreiteten Holzarme in Rotation versetzt. Diese Form des Wettkampfes, das sogenannte Rolandsstechen, wurde in den norddeutschen Marschen schon zu Beginn des Dreißigjährigen Krieg durchgeführt. Das ist urkundlich durch Rechnungen an der Rolandspuppe belegt. Die Nackenschläge mit dem Aschenbeutel oder regional sogar mit einer Keule, mögen dazu geführt haben, dass in den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts dieser schmerzhafte Teil des Wettkampfes ausgespart wurde.

Auf der Geest und in Hollingstedt mussten die Reiter unter torförmigen Ringbäumen hindurchgaloppieren und mit einer kurzen Lanze - oder wie in Hollingstedt mit dem wesentlich kürzeren Ringstecher - einen gelochten Ring aus einer Klemmvorrichtung herausstechen. In vielen Dörfern fand das Reiterfest am Rosenmontag statt, einem der wenigen Tage im Jahr, an dem die in der Landwirtschaft Tätigen ausnahmslos dienstfrei hatten. An diesem Tage wurden nur die allernotwendigsten Arbeiten wie Kühe melken, Kälber tränken und Schweine füttern durchgeführt. Einige Vereine verlegten allerdings diesen Termin wegen der im Februar oft ungünstigen Witterungsverhältnisse in die Sommerzeit hinein. Mindestens drei Wochen vor dem Fest traf sich der Festausschuss des Vorjahres zur Vorbesprechung und wählte aus seiner Mitte den neuen Feldführer, den hauptverantwortlichen Organisator des gesamten Vorhabens. Meistens erfolgte die Widerwahl des Vorjahresführer nach einigen ermunternden Äußerungen wie: "Du west doch a1l'ns vun't vergangen Johr, Gerhard" oder "mak dat man noch eenmal wedder, Gerhard, du weest doch, wo ans so löppt!" Danach wurden die beiden Ringbaumrichter gewählt und anschließend ein Einladungsschreiben formuliert. Dieses hefteten sie am nächsten Morgen ans Schwarze Brett, einem in der Dorfmitte aufgestellten Nachrichtenkasten.

Teilnahmeberechtigt waren alle Männer des Dorfes von 18 bis 80, angesprochen fühlten sich allerdings nur Grootknechten, Lüttkneckten und Buernjungs von 18 bis Mitte 30. Die jungen Männer im Dorf hatten sich Pferde schon lange vorher ausgeguckt und wohl auch mit extra Haferrationen bedacht. Einige Tage vor dem Fest führten die Kandidaten ihre Pferde zum Schmied und ließen die Hufeisen in Ordnung bringen, damit eine größere Trittsicherheit gewährleistet war. Der Einsatz je Reiter betrug um 1925 sieben Reichsmark. Am Vortag des Reiterfestes, die Ringbäume waren bereits aufgestellt, konnten die Reiter sich eine Stunde lang einreiten. Während sie ihrem Pferde einen zügigen, gleichmäßigen Galopp abverlangten, versuchten sie, mit möglichst ausgleichender Körperbewegung, die Zielhand mit dem Ringstecher ruhig in Ringhöhe zu halten. Einige Zaungäste sorgten durch aufschreckende Gebärden, Schnalzen und energisches Antreiben dafür, dass eine dem kommenden Wettkampftag vergleichbare Kulisse zustande kam.

Am Abend erfolgte die Reinigungsprozedur der Pferde. Ebenfalls am Abend falteten die jungen Dorfschönen auf Dielen der Höfe Papierrosen und fertigten farbige Papierstreifen. Dann verzierten sie das Zaumzeug, den Bauchriemen, den Schweifgurt und die Steigbügel. Pferdedecken oder Sättel wurden mit weißen Papierrosen und Immergrün umsäumt. Einige besonders prachtvoll gelungene Papierrosen schmückt am nächsten Morgen die Mütze des Reiters.

Am Tag der Wettkämpfe - auf den Weg zum Dorfplatz - wurden die geschmückten Pferde, ob der dicke " Däne " das gemütliche Arbeitspferd oder ein temperamentvolles schlankes holsteinisches Rassepferd, von der versammelten Dorfgemeinschaft bestaunt. Nach einigen Begrüßungsworten des Vorreiters setzte sich der Zug in Bewegung, um zuerst den Vorjahreskönig abzuholen und sich dann zum Parcours zu begeben. Allen voran ritt der Organisator mit blauer Schärpe, ihm folgte der Fahnenträger mit weißer Schärpe. Die Ehre des Landesfahnentragens wurde jeweils dem vierten Vorjahressieger zuerkannt. Dann folgte im Gleichschritt die Feuerwehrkappelle. Den Schluss des Zuges bildeten die Reiter in Zweieranordnung. An ihrer Spitze ritten der zweite und dritte Vorjahressieger, dann schlossen sich die übrigen Reiter an.


Ringreiterumzug ca. 1954

Selbstverständlich waren die meisten Dorfbewohner mit von der Partie. Die Erwachsenen hatten ihren schwarzen Zwirn vom Haken geholt, die Sonntagsschuhe gewichst und marschierten im Takt der Blasmusik am Rande des Zuges mit. Die Jugendlichen schätzen schon die Chancen ihres Favoriten ein und die Kinder quirlten und wieselten überall herum. Beim Reitplatz angekommen, legten die Vorjahressieger ihre Schärpen ab, die Landesfahne wurde zur Seite gestellt und nach kurzer Deklarierung der Wettkampfbestimmung ging's ins Stechen.

Der Parcours führte durch zwei Ringbäume in einen Rundweg von Noorndörp durch den von beiden Seiten mit Wällen geschützten Sandweg in Richtung Lopshop. Der erste Ringbaum war etwa da, wo jetzt das Haus Lopshop 1 steht. Dann ging es links herum auf die Gerade, auf halber Strecke befand sich der zweite Ringbaum, wo jetzt das Haus Lopshop 9 ist. Von hier aus konnten sich die Pferde etwas auslaufen und es ging über den Hof von Bornholdt (Lopshop 17) links runter nach Krusenbusch über den Hof (Sievers), wieder links herum auf den Sandweg, am "Bahndamm" vorbei zum Start vor Noorndörp. Mindesten sechs Meter vor und hinter den Ringbäumen war Galopp erforderlich. Ein Hoppeln oder Standgalopp wurde von den Zuschauern mit Missfallensäußerungen bedacht, preschte dagegen ein Reiter im Gestreckten Galopp durch die Bäume, so bekundeten sie dieses mit lautem Beifall.

Um die schwerfälligen Dicken (Dänen) zum forschen Galopp zu bewegen, bedurfte es einiger Antreiber vor der Sechsmetermarke. Diese halfen ein wenig mit Weidenstöcken (Wicheln) oder "Schechten ut'n Knick" nach. Auf Handzeichen des ankommenden Reiters richtete der "Schriever an'n Boom" die höhenverstellbare Ringlatte aus. Trotz Kimme, Korn und Zielwasser traf dieser Reiter den Ring nicht genau genug; noch war er ein Blindstecher.

Nach ungefähr zwei Stunden Wettkampfzeit erfolgte die Auszählung der Ringe. Ergab die Auszählung unter den ersten drei Siegern eine Pattsituation, so musste "auseinandergeritten" werden. Anschließend rief der Vorreiter die Sieger aus und nahm die entsprechenden Ehrungen vor. Den König ehrte er mit einer roten Schärpe, als Prämie standen diesem 18 Reichsmark oder ein handgefertigtes Zaumzeug zu. Der zweite Sieger mit der blauen Schärpe bekam 16 Reichsmark und der Drittsieger mit gelber Schärpe erhielt 14 Reichsmark.

Nachdem alle Platzierungen verlesen waren, erfuhren der Blindstecher und der Sandreiter noch ihre speziellen Ehrungen. Nach einigen "Hochs" für die Sieger und vielen "Prost's" für alle Akteure formierte sich der Zug erneut. Man geleitete den König, dann den zweiten und dritten Sieger nach Hause. Vorher achtete man darauf, dass der Sandkönig ein Weißbrot (Stuten) umgehangen bekam, als Hinweis das dieser Reiter vom Pferd gefallen war.

Am Abend - nach dem die Tiere versorgt waren - machte man sich zu Fuß und in Festgarderobe auf den Weg um den König abzuholen. Nach einen Umtrunk ging es auf kürzestem Weg zum Tanzlokal in unseren Dorfkrug.

Hier gibt es noch mehr
Wissenswertes über das Ringreiten
 
erstellt von: online-werbung.de